EDIN MUSTAFIC | VIENNA, AT | PORTFOLIO & ARCHIVE
Art & Photography
Ein Künstler sollte geeignet sein für die beste Gesellschaft, aber sich von ihr fernhalten (J. Ruskin).
Die Fotografie litt seit ihrer Erfindung an einem geradezu pathologischen Missverständnis: der naiven Annahme, sie sei ein objektives Beweismittel der Wirklichkeit. Meine Arbeiten verweigern sich dieser dokumentarischen Sklaverei konsequent. Wer glaubt, eine Linse fange die Wahrheit ein, verkennt den Apparat als das, was er im Kern ist – eine Maschine für konstruierte Realitäten. Anstatt die visuell ohnehin übersättigte Welt mit weiteren redundanten Kopien ihrer selbst zu verstopfen, nutze ich den fotografischen Akt als Erweiterung meiner Gedanken. Durch radikale Reduktion werden die Subjekte ihres vertrauten Kontextes beraubt, um die schlichte Banalität des bloßen Abbilds endgültig zu sabotieren.
Künstlerische Fotografie weigert sich beharrlich, den braven Chronisten zu spielen. Sobald man aufhört, das Medium als platten Rekorder zu missbrauchen, eröffnen sich Räume für eine schonungslose konzeptionelle Neuordnung. Der Schwerpunkt meiner Praxis liegt auf der Zerstörung bequemer Sehgewohnheiten. Wo die flache Zweidimensionalität des Papiers an ihre ermüdenden Grenzen stößt, wird das Bild in den physischen Raum gezwungen. Durch skulpturale Eingriffe und haptische Materialität verlässt das fotografische Zeichen die Wand und wird zu einer dreidimensionalen Behauptung im Raum.
Art & Mono
Die Unschärfe als visuelle Simulation: Sie entzieht dem Bild die bloße Dokumentation und ersetzt den Gegenstand durch seine zeichenhafte Repräsentation.
Pazifismus als kulturelle Illusion: Die reflexive Fotografie befragt den eigenen Habitus und konfrontiert die ethische Haltung mit der brutalen Materialität des Objekts.
Serie: Melancholie, 2015
Die Horizontlinie als Schnittstelle zwischen Stillstand und Verschwinden: Melancholie versteht sich hier nicht als Trauer, sondern als kontemplativer Raum reiner Reduktion und zeitloser Präsenz.
Simulation und Realitätsverlust: Die Arbeit hinterfragt die Grenze zwischen medialer Inszenierung und greifbarer Wirklichkeit. Durch gezielte visuelle Brüche wird der Verlust an Gewissheit erfahrbar – das Bild konfrontiert den Blick mit der Fragilität unserer Wahrnehmung.
Physis und Affekt: Die Eruption unkontrollierter Aggression als endogener Triebzustand. Die Fotografie zeigt den körperlichen Moment des Kontrollverlusts und konfrontiert die archaische Wucht des Impulses mit der Forderung nach Selbsterkenntnis.
Ordnung und Kontrollwahn: Die strenge Rasterarchitektur suggeriert Stabilität und Ruhe, erweist sich jedoch als gesellschaftliche Fessel. Die Lochkamera-Fotografie dekonstruiert das Bauwerk zur visuellen Täuschung und entlarvt den Glauben an Kontrolle als bloße Illusion.
Art & Color
Künstler wird man aus Verzweiflung! (E.L. Kirchner)
Tulpen, 2018
FORM, MATERIAL & ZEICHEN
Ästhetik & Bruch
“Gesellschaftflicher Widerspruch als physische Tatsache im Raum!”
Contemporary, 2015
Superposition, 2018
Perspektive(n), 2024 (work in progress)
Die Serie löst das Foto aus der zweidimensionalen Fläche und überführt es als skulpturales Objekt in den Raum. Das Knüllen bricht mit der Illusion, Fotografie könne je das Ganze zeigen: Sie bleibt stets nur eine einzige, statische Perspektive. Durch Falten, Risse und Krafteinwirkungen entstehen Flächen und Brüche, die sich mit jedem Schritt im Raum und jedem Wechsel des Blickwinkels fortwährend neu konstituieren.
Abtract, 2024
Alltagsobjekte verlieren ihre Funktion und werden zur reinen Abstraktion auf Schwarz. In ungewöhnlicher Bildkomposition schwingen Schärfe und Unschärfe gegeneinander – ein Spiel mit Tiefendimensionen, das den Blick zum detaillierten Erforschen der Linie zwingt.
Linotype, 2023
Art Doku
Spuren des Lebens, festgehalten jenseits jeder Inszenierung.
Fragmente einer verblassten Reise: Nach dieser andalusien Reise dokumentieren diese Aufnahmen flüchtige Begegnungen und tote Winkel. Sie bilden den Restbestand eines persönlichen Archivs.
Andaluz, 2024
Sunset, 2014
Analoge Reisedokumentation an der kroatischen Adria: Ein flüchtiger Moment zwischen Bewegung und Erstarrung, der die Weite des Meeres zur stillen Momentaufnahme verdichtet.